just saying

2013-09-04

#maskugate

"Auch wirklich verrückte Verschwörungstheorien kann niemand wirklich widerlegen, denn sie alle haben eine seltsame Schleife in ihrer Konstruktion: Jeder Beweis gegen sie funktioniert nämlich gleichzeitig als Beweis für sie, wenn man die Dinge so sehen will. Daher überlebt die Pop-Dämonologie der Verschwörungstheorie jede Kritik, genau wie ihre Cousine, die Theologie." - Robert Anton Wilson -"Das Lexikon der Verschwörungstheorien"


Am 2.11. platzte die Bombe: Malte Welding twitterte, dass das Blog kleines-scheusal.de ein Projekt einer PR-Agentur gewesen sei. Am Wochenende davor ging ein Shitstorm durch die Piratenpartei und Twitter, welcher unter dem Namen #om13gate tobte. Die ganze Geschichte kann auf popcornpiraten.de nachgelesen werden, dann muss ich das hier nicht erneut durchkauen.

Denn worauf es mir hier ankommt, ist ein ganz bestimmter Aspekt an der Geschichte, oder eigentlich sind es zwei Aspekte. Das erste ist das Ding mit der Verschwörungstheorie. Malte's Story wurde allgemein angenommen, nachdem die Betreiber von kleines-scheusal.de auf die Startseite des geschlossenen Blogs ein Bekenntnis hinterließen, dass die Geschichte wie von Malte dargestellt richtig sei, woraufhin aus #om13gate ein #maskugate wurde. Damit aber nicht genug, kurze Zeit später kamen Hinweise und Stimmen auf, dass @ochdomino doch echt gewesen sein könnte und dass die Enthüllung des Fakes von ihrem Vater gefakt worden sei, um seine Tochter zu schützen.

Merkwürdig ist es schon, da kommt ein Herr Michael Schwarz aus Kiel auf die Idee, seine Agentur zu pushen und erfindet dafür ein Blog eines 19 jährigen jüdischen Mädchens mit polnischer Abstammung, kauft Bilder eines polnischen Models, die auch zufällig mit realem Namen so heißt, dass der Nickname "ochdomino" darauf 1a passt: Dominika. Und setzt seine Mitarbeiterinnen darauf an, im Schwung von #aufschrei regelmäßig und intensiv teilweise antifeministische Tweets und Artikel zu publizieren, nachdem vorher eine Identität eines Mädchens aufgebaut wurde, welche als gläubige Jüdin Bach liebt und das Fotografieren und fotografiert werden als Hobby verfolgt. Angeblich wäre der Plan gewesen das Blog, nachdem es mit kontroversen Diskussionen ordentlich Puplikum angezogen hätte, in ein Fashion-Blog umzuwandeln. Da stellen sich natürlich gleich wieder ein paar Fragen: Wenn man ein Fashion-Blog pushen will, warum lässt man sich dann intensiv auf Feminismus-kritische Diskussionen ein? Ich meine, Männerrechtler, welche in den fingierten Argumenten eine Mitstreiterin im Geiste finden, sind jetzt nicht wirklich die Zielgruppe von Fashion-Blogs. Genauso wenig zieht es Feministinnen an, welche bekanntermaßen Kritik lieber abblocken, statt das Blog intensiv zu frequentieren, zumal wenn gegen sie mit mehr oder weniger derber Sprache vom Felde gezogen wurde. Und das alles für ein Mode-Blog, derer es gefühlte 5 Mrd. gibt. Interessant dabei ist auch, dass Dominika auf ihrem "echten" Blog sich darüber freute, endlich über Mode und Fotos bloggen zu können - also genau das, was mit kleines-scheusal.de gemacht werden sollte. Okay...

Was hat sich der Herr Schwarz dabei gedacht? Der PR-Gag ist entweder eine komplett idiotische Luftnummer gewesen - oder eben kein Gag sondern eine Geschichte, um Dominika vor Anfeindungen zu schützen. Man kann Indizien für die eine wie auch für die andere Theorie finden, klären tut sich keine von beiden, wie bei Verschwörungstheorien, bei welchen jeder Beweis gegen sie gleichzeitig ein Beweis für sie ist - und umgekehrt...

Nichts genaues weiß man nicht, aber eigentlich ist es auch egal denn der zweite Aspekt geht in die andere Richtung: Die feministische #Aufschrei-Fraktion und die Piratenpartei atmete tief durch, als der Hintergrund des Blogs offenbart wurde. Es wurde also kein Mädchen bedrängt und von teilweise massiven Hetzereien so sehr bedroht, dass sie aus Angst ihre gesamte digitale Identität löschen musste. Nochmal Glück gehabt! Allerdings ist dabei zu bedenken, dass niemand von dem Fake wusste, weder die pro- noch die antifeministische Seite. Während die einen mit ochdomino die Argumente tauschte, gehörte sie für die anderen zum Feindbild und bekam auf Twitter teilweise ordentlich Feuer insbesondere, als sie sich kritisch zu einer Begebenheit äußerte, welche eine Mitinitiatorin von #Aufschrei publik machte, worauf ochdomino teilweise derbe angemacht und beleidigt wurde, unteranderem als "Flittchen" und "Maskutroll-Pinup", woraufhin sie mit "Hippster-Fötzchen" konterte, was dann Eingang in den OM13-Vortrag fand. Eine Relation übrigens, welche in Yasna's Vortrag geflissentlich unter den Tisch gefallen ist, wie auch alle anderen Zitate komplett ohne Zusammenhang aufgezeigt wurden.

Für alle beteiligten war ochdomino also echt und damit war auch die Intention der Hatz gegen sie echt. Da mögen sich die feministischen Hatzer und die Post-Privacy-Meute noch so sehr versuchen rauszureden. Fakt ist, dass alle verarscht wurden und jene, die einen vermeintlichen Menschen jagten, das im dem Bewusstsein taten, dass dieser Mensch echt war. Dass die Frau nur eine Geschichte einer bekloppten Agentur gewesen sein könnte, macht die Intention, auf Kritiker maximal-eskalierend einzudreschen nicht besser. Und da kann faselpiratin noch so sehr ihre Füße zum Kusse hervorstrecken und nach Entschuldigungen verlangen - zum Zeitpunkt des Prangers war ochdomino für sie echt.

Die ganze Geschichte ist eine lose-lose-Situation, für beide Seiten.

Kommentare:

  1. Anonym00:48

    Der entscheidende Punkt ist doch, dass es diese "Hatz" gegen @ochdomino gar nicht gab. Den hat sie nur behauptet. Belege hat niemand gesehen. Aber unzählige Leute haben es sofort geglaubt und sind auf den Zug aufgesprungen: "Was habt ihr diesem armen Mädchen angetan! Hexenjagd! Hier wurde ein Mensch vernichtet!"

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Falsch, die gab es vorher schon, etwa nach dem Ding mit @totalreflexion, wo sie selbst beleidigt wurde und ihr verbales zurückschlagen wurde von faselpiratin im Video als "Hate-Speech" an den Pranger gestellt. Ob sie danach noch Drohbriefe bekam oder nicht, weiß niemand. Davor jedoch war alles echt. Und auch nach ihren angeblichen Drohbriefen wurde sie auf Twitter noch bedrängt. Auch das Posten von Behauptungen ohne Beweise - nur auf Grund einer anonymen Email - ist fragwürdig. Und genau darauf will ich hinaus. Was ist, wenn es kein Fake gewesen wäre? Es kann sich niemand damit heraus reden, weil alle glaubten es sei echt. Also würden sie mit einem echten Menschen genauso umgegangen, und das, während sie sich als Moralapostel, Bürgerrechtler, Freiheitskämpfer hinstellen. Der Fake hat so einiges bloßgestellt.

      Löschen
  2. Anonym11:12

    Nun, wenn der Vater sie tatsächlich schützen will dann lasst die Sache doch endlich ruhen. Wenn das noch endlos tot-geritten wird verschwindet das nie.
    Die Leute haben sich ihre Meinung gebildet. Die PP findet es vollkommen in Ordnung wild zusammengewürfelt und aus dem Zusammenhang gerissene Zitate inkl. der (Online)-Identitäten auf einer Parteiveranstaltung unter der Überschrift "Das sind alles Hater" zu präsentieren.
    Ob es ein Fake war oder hier ein Vater seine Tochter schützen will ist für die Beurteilung irrelevant. Was würde es bringen irgendwann rauszubekommen das es das Mädchen wirklich gibt ausser das Mädchen wieder in den Fokus zu rücken?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Anonym20:59

      "Was würde es bringen irgendwann rauszubekommen das es das Mädchen wirklich gibt ausser das Mädchen wieder in den Fokus zu rücken?"

      Hier geht es längst nicht mehr um das Mädchen. Bei der Fake-Geschichte war das Mädel lediglich eine Statistin. Ob sie wieder auftaucht oder nicht, tut im Grunde nicht viel zur Sache. Allerdings sind angesichts dieser Story Menschen mit legitimen politischen Anliegen verunglimpft worden. Ein Mann hat die Öffentlichkeit verarscht und selbige hat sich geradezu dankbar verarschen lassen. Leute, die sich als progressiv, als moralische Aventgarde und linke Elite gerieren, haben sich als leichtgläubige Mitläufer erwiesen, die wieder einmal jeden Unsinn glauben, wenn er ihnen nur in den Kram passt.
      Diese Geschichte ist ein Beispiel an Duckmäusertum, Opportunismus und Feigheit.

      Löschen
  3. Anonym15:00

    Hate speech, nicht hater.

    Und das "aber das ist aus dem Zuammenhang gerissen" kommt IMMER, wenn jenmand beim Scheiße-Reden ertappt wurde. Laaangweilig.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Anonym20:24

      Woher kommt nur der Begriff?

      Wurde mittlerweile herausgeschnitten. Da war wohl jemand beim Rechtsanwalt.

      Löschen