just saying

2013-07-06

Eine Feminismuskritik zur Frage: "Warum der Begriff “Feminismus”?"

Ich möchte hier mal den Artikel "Warum der Begriff “Feminismus”?" kommentieren. Dort wird versucht zu zeigen, warum "Feminismus" als Begriff notwendig wäre - und scheitert dabei kläglich. Warum? Schauen wir uns das doch einmal an:

Der Artikel beginnt mit der Behauptung

Der Begriff “Feminismus” ist notwendig, da er die Diskriminierung gegenüber Frauen hinreichend transportiert.

welche für sich genommen erst einmal nichts aussagt, außer dass sie etwas behauptet, nämlich die "Transportion der angeblichen Diskriminierung gegenüber Frauen". Der Leser wird hier natürlich hoffen, eine Darlegung der Behauptung, so eine Art Beweisführung zu finden. Na mal schauen.

Weiter geht's im Text mit der Frage:

"Warum “Feminismus” und nicht einfach “Humanismus” (oder “Egalitarismus”)? Schließt es nicht Leute aus, wenn du sagst, du bist Feminist*in?"

Eine berechtigte Frage, welche Feminismus-Kritiker sicherlich häufig stellen.

"Diese Frage impliziert, jeder müsse entweder das eine oder das andere sein."

Abgesehen davon, dass hier vergessen wurde zu gendern, ist das sicherlich nicht falsch, insbesondere wenn man meint, dass Feminismus Egalitarismus ausschließt, da sich der Begriff nur auf die Frau bezieht und nicht auf beide Geschlechter gleichberechtigt. Aber darum geht es ja beim Feminismus, auch wenn Feministen diese Interpretation regelmäßig ablehnen.

"Menschen und Philosophien sind aber viel komplizierter. Eine Feministin kann zusätzlich auch Humanistin und Egalitarist*in sein."

Mit dem konsequenten gendern ihrer Texte haben es die Autoren wohl nicht so... egal. Menschen und Philosophien sind also kompliziert. OK, das kann man so aussagen. Und eine Feministin kann also auch Humanistin und Egalitaristin sein, äh, ich dachte diese Behauptung wird endlich mal dargelegt, immer noch nichts... na gut, alles muss man selber machen.

"Es gibt keine Regel, die besagt, dass nur eines dieser Labels zulässig sei. Es ist unglaublich wichtig, nicht in die Denkweise zu verfallen, dass eines davon alle anderen ausschließt."

Doch, diese Regel gibt es, man findet sie unter "Logik", denn da sich Feminismus nur auf die Frauen bezieht, und den Mann bzw. die Männlichkeit maximal kritisierend erwähnt, dann kann er nur unter bestimmten Voraussetzungen egalitär sein und humanistisch ebenso, denn der Humanismus hat den Menschen - unabhängig vom Geschlecht - zum Subjekt. Noch deutlicher wird es, wenn Feminismus die Männer sogar diskriminiert, etwa über Programme zur Gleichstellung von Frauen (was nicht gleichbedeutend mit Gleichberechtigung ist!) oder ganz einfach sprachlich, etwa durch beschimpfen und Pejoration von Männern und Männlichkeit.

Egalitär und humanistisch kann Feminismus nur dann sein, wenn man voraussetzt, dass Frauen nicht gleichberechtigt sind. Da Feminismus explizit die Frau und ihre Rechte zum Subjekt hat, und Egalitarismus eine Angleichung der Rechte verschiedener Gruppen (hier Frauen und Männer) bedeutet, ist Feminismus nur so lange egalitär, wie die Gleichberechtigung nicht gegeben ist. Genau diese Voraussetzung wird aber von der Feminismuskritik bezweifelt. Ein Artikel, welcher also darlegen will, dass Feminismus egalitär oder gar humanistisch ist, muss also zwingend zeigen, dass die Gleichberechtigung von Frauen noch nicht hergestellt worden ist.

"Ein Hauptgrund dafür, dass Debatten in Massenmedien (und Onlineforen) so schrecklich beschämend sind, ist, dass zu viele Themen auf einer entweder-oder Basis (Schwarz/Weiß-Denken) diskutiert werden,"

Was für Feminismus natürlich nicht zutrifft, weil Feministen niemals Schwarz/Weiß kategorisieren. (Etwa Männer = schlecht, böse, Täter, Frauen = gut, liebevoll, Opfer - (ja, da war Sarkasmus.))

"statt die Möglichkeit einer sowohl-als-auch Sichtweise in Betracht zu ziehen. Die entweder-oder-Methode, an eine Debatte heranzugehen, wird  oft als falsches Dilemma [mehr] bezeichnet und ist ein Beispiel eines logischen Trugschlusses."

Dieses "sowohl-als-auch" folgt aber nicht bedingungslos aus dem Feminismus, wie eben gezeigt. Daher ist die Aussage, Feminismus könne auch egalitär sein, ein logischer Trugschluss. Wikipedia sagt dazu:

"Als Fehlschluss oder Trugschluss (lateinisch fallacia) oder Paralogismus bezeichnet man einen Schluss, bei dem die abgeleitete Aussage nicht aus den explizit angegebenen oder implizit angenommenen Voraussetzungen folgt." 

Weiter im Text:

"Das spezielle und ausgeprägte Problem, dass Misogynie Frauen unterdrückt und direkt schadet, ist eindeutig vorhanden."

Ja, Frauenfeindlichkeit ist frauenfeindlich. Das ist eine Tautologie und hilft hier zur Klärung der Frage nicht weiter. Die Aussage, dass Frauenfeindlichkeit Frauen schadet und unterdrückt, ist logisch trivial.

"Solange niemand Misogynie direkt anspricht und dagegen agiert, ist ein genereller egalitaristischer Aktivismus nicht genug."

Hier haben wir wieder einen logischen Trugschluss, denn aus dem nicht expliziten Aussprechen von Mysogynie folgt nicht automatisch, dass Mysogynie nicht abgeschafft werden könnte. Insbesondere da Humanismus Würde und Gerechtigkeit für alle Menschen fordert, was eben Frauen mit einschließt auch ohne speziell eine Behandlung der Probleme von Frauen im Begriff zu tragen. Dass eine Bekämpfung von Mysogynie ohne Feminismus nicht möglich sei, ist daher eine unhaltbare Behauptung.

"Feminismus in Equalismus umzubenennen ist falsch. Diese Umbenennung für erforderlich zu halten bedeutet, dass man abstreitet, dass Feminismus für die Gleichberechtigung und nicht die Bevorteilung von Frauen kämpft."

Ja, genau das bedeutet das und genau das tut die Feminismuskritik, da Feminismus - etwa über Pro-Quote und "Defma" ganz klar eine Bevorteilung von Frauen erkämpfen will. Es ist unbestreitbar, dass Programme wie die Frauenquote Vorteile allein für Frauen schaffen wollen.

"Es impliziert auch, dass Männer angeblich genau so unter Sexismus leiden würden wie Frauen,"

Dass das nicht so wäre, wird vom Feminismus auch nirgends nachgewiesen, sondern nur immer wieder behauptet. 

"dass es keine Geschlechterhierarchie (mit den Männern oben),"

Wieder eine unbewiesene aber umso öfter wiederholte Behauptung. Der Feminismus lebt quasi von diesen Behauptungen, seine ganze Daseinsberechtigung steht und fällt damit.

"kein Patriarchat,"

Ein Patriarchat ("Väterherrschaft", von "Pater" - "Vater") ist eine Gesellschaft, in welcher der Mann als Vater tonangebend ist. Patriarchale Ordnungen findet man beispielsweise in der Monarchie, in welcher der Erstgeborene männliche Nachkomme den Rang des Vaters erbt. Es gehört nicht viel dazu zu erkennen, dass das in den heutigen Familien nicht mehr der Fall ist. Paare tragen heute oft Doppelnamen, wohingegen im Patriarchat allein der väterliche Name vererbt wird, die Erziehung ist zumeist in den Händen der Frauen, welche nicht nur bei den eigenen Kindern, sondern auch in den Institutionen der Kindererziehung, von Kita bis zur Oberstufe tonangebend sind. Gerichte sprechen oft Frauen das Sorgerecht automatisch zu (§1626a(3) BGB), wie Väterrechtler zu beklagen wissen. Und auch über die Familie hinaus sind Männer längst nicht mehr die "herrschende Klasse" wie noch im letzten Jahrhundert, obwohl der Feminismus nicht müde wird, das immer und immer wieder zu behaupten.
Patriachien hingegen findet man in Staaten wie Saudi-Arabien, Parkistan, teilweise Indien (besonders im Norden), Mauretanien/Nordafrika usw. In diesen Systemen hat der Mann mehr oder weniger die Vormundschaft über die (Ehe-)Frau, bestimmt, je nach regionaler/tradtioneller Rechtslage etwa, ob sie studieren darf, welchen Beruf sie aufsühren darf, was ihre häuslichen Pflichten sind uvm. Das kann man klar als patriachal bezeichnen und ist meiner Meinung nach genauso abzulehnen wie die umgekehrte Ideologie.

"keine männlichen Privilegien oder allenfalls gleich viele / gleich wichtige männliche wie weibliche Privilegien gibt."

Diese angeblichen männlichen Privilegien hat mir auch noch kein Feminist nachweisen können.

"Feminismus in Equalismus umzubenennen ist ein Schlag ins Gesicht von Generationen von Feminist_inn_en und den Feminist_inn_en von heute."

Feminismus als Humanismus darzustellen, ist in einer Zeit, die immer männerfeindlicher wird, in welcher Jungen nachgewiesenermaßen in der Schule regelmäßig von feministisch geprägten Pädagoginnen benachteiligt werden und von den Mädchen längst überholt wurden, ein Schlag ins Gesicht aller Humanisten sowie jener, welche für eine freie und gerechte Gesellschaft kämpfen.

Der Text, welcher versucht darzulegen, warum zu Humanismus ein Feminismus notwendig wäre, warum die egalitäre Bewegung einen Feminismus braucht, scheitert also kläglich, da er es nicht schafft, die Kette von Behauptungen an auch nur einer Stelle schlüssig und logisch zu belegen.

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