just saying

2013-06-21

Großer #aufschrei und nichts dahinter

Es sah auf den ersten Blick nach einem großen Sieg für Anne Wizorek und ihre #aufschrei-Follower aus: Das erste mal in der Geschichte Twitters in Deutschland, hat ein Hashtag einen hochangesehenen Medienpreis gewonnen: Der Grimme-Preis 2013 geht an die Initatorinnen von #aufschrei

Doch, guckt man genauer hin, löst sich die Sensation schnell in heiße Luft auf.


Die Gewinner  in den Kategorien werden von einer Jury bestimmt, diese trifft, wie bei Juries üblich, ihre Entscheidung relativ willkürlich. Abgesehen vom Publikumspreis, welcher in einer Onlineumfrage gewählt wird. Ja, und genau hier liegt der sprichwörtliche Hase im Pfeffer...

#Aufschrei, im Netz geboren, scheint im Netz nicht besonders viel Rückhalt zu haben, denn der Preis in dieser Kategorie ging an den Postillon, nicht an #aufschrei. Und das, obwohl Anne Wizorek und ihre Follower über Wochen mehrmals zum Abstimmen aufgerufen haben.

Das erscheint mir doch recht mager, angesichts der Tatsache, dass #aufschrei monatelang die Online-Sparten der Medien beherrschte und immer noch regelmäßig on- und offline in den Medien Erwähnung findet, wann immer es um Feminismus und Sexismus geht. Zehntausende Tweets hatte es bis Ende März in dem Hashtag gegeben, eine Zahl, die in den Medien bis heute transportiert wird, fälschlicherweise als Zahl der Teilnehmerinnen beim #aufschrei gegen Sexismus. In Wirklichkeit beinhalteten ein Großteil der Tweets Spam, Sarkasmus, Kritik, Verhöhnung, Banalitäten, Retweets von Zeitungsartikeln mehr oder weniger auf #aufschrei bezogen usw. Von der eigentlichen Intention, Berichte über alltägliche sexuelle Übergriffe gegen Frauen zu sammeln, kaum eine Spur.

Da verwundert es auch nicht sonderlich, dass die Onlineabstimmung ein Satiremagazin gewinnt, statt der "größten deutschen Twitterdebatte aller Zeiten". Was auch immer die Jury bewogen hat, den Preis in der Kategorie Spezial an #aufschrei zu vergeben, im Netz ist und bleibt die ganze Schose nichts als eine Luftnummer, beziehungsweise, wie böse Zungen behaupten, eine Werbekampagne der Initiatorin, welche nicht zufällig im Bereich Medienberatung ihre Brötchen verdient...

Kommentare:

  1. "Und das, obwohl Anne Wizorek und ihre Follower über Wochen mehrmals zum Abstimmen aufgerufen haben."

    Hast Du dazu ein paar Links?

    "In Wirklichkeit beinhalteten ein Großteil der Tweets Spam, Sarkasmus, Kritik, Verhöhnung, Banalitäten, Retweets von Zeitungsartikeln"
    Stimmt. Ich habe inzwischen eine Stichprobe durchgezählt und kann zu diesem vagen Eindruck einige Zahlen liefern, hier: http://maninthmiddle.blogspot.de/p/aufschrei.html

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    1. Leider nicht, ich habe die Tweets gesehen, aber nicht gespeichert. Müsste man mal die TLs durchgehen...
      Danke für den Link, sehr interessante Zahlen.

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