just saying

2013-06-24

Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung?

Auf meiner TL flatterte mir heute ein interessanter Artikel zu, zu welchem ich so einige Gedanken habe.

http://collegeinsurrection.com/2013/06/freedom-feminism-reclaiming-real-feminism-from-radicals

Im Großen und Ganzen geht es darum, dass sich in den USA 70% der Frauen NICHT als feministisch bezeichnen, und warum das so ist. Die These der Feministin Christina Hoff Sommers dazu ist, dass Feminismus durch die Radikalisierung ("Radfeminism") immer mehr Ablehnung provoziert. Scheinbar will auch ein Großteil der Frauen bei diesen verhärteten (Hoff Sommer spricht von "toxic" also vergifteten) Fronten nicht mitmachen, welche dem "wer nicht für uns ist ist gegen uns"-Prinzip folgt und Kritik generell nicht zulässt. So würden diese Frauen, ob wohl Gleichberechtigung gutheißend, den Feminismus daher lieber ablehnen.

Und wirklich, der Feminismus driftet heute immer mehr in eine Männer hassende Ideologie, geladen mit Vorurteilen der Männlichkeit gegenüber, und Tendenzen, die an Verschwörungstheorien erinnern, wenn  beispielsweise eine systematische Unterdrückung der Frauen durch alle (heterosexuellen, weißen) Männer suggeriert wird und sich Ansätze zeigen, die man sonst eher aus der Esoterik kennt, wie etwa dem Ablehnen von Naturwissenschaft und ihrer Objektivität als "männlicher Habitus".

Hoff Sommer schlägt als Alternative dagegen einen "Fredom Feminism", einen modernen sozialen Feminismus vor, der sich von der feministischen Geschichte inspirieren lassen und in welchem die Frau ihren gleichberechtigten Status einsetzen soll, um gesellschaftlichen Frieden auf ihre eigene, charakteristische Art zu erstreben.

Soweit, so gut. Zweifelsohne ist nichts dagegen zu sagen, wenn die Frau sich in einer friedlichen Gesellschaft wohl fühlt, in welcher die Geschlechter verschieden aber gleichberechtigt sind. Allerdings drängt sich für mich hier schon die Frage auf, warum man dafür Feminismus braucht, wenn Menschlichkeit, also Humanismus, das Gleiche erreichen könnte und zwar, ohne sich auf ein Geschlecht zu beschränken und das andere höchstens in Kritik zu erwähnen. Aber diese Frage klärt sich bald, wenn man den Artikel bis zu Ende liest.

Später erklärt Hoff Sommer nämlich, wie frau dieses vorgeschlagene Ziel erreichen könnte, und da geht's dann (leider) wieder los:
Abgesehen davon, dass sie sich mit ihrer Version nur an die Frauen richtet, ist zunächst die Rede davon, dass der Feminismus und seine Errungenschaften zu wichtig sind, als dass man das Feld einer "kreischenden Lobby" überlassen sollte. Das ist soweit schon mal eine treffende Darstellung des heute vorherrschenden Mainstream-Feminismus. Der empfohlene "Freedom Feminism" soll dagegen eine Renaissance hervorrufen, welche Freiheit für alle zum Ziel hat. Nun gut. Der nächste Absatz lässt mich dann allerdings schon an das Matriarchat denken, wenn von einer "maternal school" die Rede ist, also einer matriarchalen Lehre, die von der Familie ausgeht und darüber auf gesellschaftliche Regeln einwirkt.
 
Weiter wird angeraten, dass sich die moderne Feministin Pro-Frau gibt aber nicht Anti-Mann. Sie soll auch dem Manne Gesundheit, Bildung und Fürsorge eingestehen, da dies öffentliche Probleme unterdrücken könnte. Das finde ich natürlich sehr liebenswürdig vom modernen Feminismus, dass dieser auch dem Mann ein angenehmes Leben zugestehen mag.

Und so lässt sich abschließend leider nur wieder sagen, dass der Feminismus auch in der propagierten, modernen Form einer Christina Hoff Sommers gyno zentristisch bleibt und in der Weiblichkeit die Heilsbotschaft für eine bessere Welt sieht und dem Manne nur aus friedensgründen Recht auf Bildung, Gesundheit und gesellschaftliche Fürsorge zugesteht. Es wird zwar der Totalitarismus, welcher sich im Feminismus heute breit macht, abgelehnt die Frau bleibt aber die Rettung der Menschheit, welche in einer matriarchalen Lehre Erlösung von ihren Problemen findet.

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